HfK Jahresbericht 2021

Sehr bald nach Beginn der Pandemie sind verschiedene Studien den Auswirkungen der Corona-Situation auf junge Menschen nachgegangen. Mittlerweile liegen viele Ergebnisse vor und zeigen, dass die Auswirkungen einen Teil der Kinder und Jugendlichen und damit auch die Gesellschaft noch lange begleiten werden. Vor allem diejenigen, die bereits vor der Pandemie von Entwicklungsrisiken und ungleichen Bedingungen des Aufwachsens betroffen waren, werden noch länger mit den psychischen Folgen zu kämpfen haben. Die nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina weist darauf hin, dass gerade benachteiligte Kinder und Jugendliche aller Voraussicht nach weniger gut die Belastungen und Defizite, die durch die Pandemie verursacht werden, im Gehirn verarbeiten und die eigenen Resilienz-Kräfte nutzen können.1 Für ohnehin belastete junge Menschen hat die Pandemie die langfristigen psychischen Folgen verschärft. Das Sinus-Institut hat im Oktober 2021 gut 2.000 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren zu ihrem persönlichen Befinden in der Pandemie befragt. Die Ergebnisse können als Bestätigung der Aussagen der Leopoldina gelesen werden, dass viele Kinder und Jugendliche über genug Resilienz verfügen, die Pandemie und ihre Folgen gut zu verarbeiten. 30 Prozent der Befragten geben jedoch an, dass es ihnen persönlich in der Pandemie schlecht oder sehr schlecht geht. Besonders gut gebildeten Jugendlichen geht es in der aktuellen Situation gut oder eher gut. Sie sind auch diejenigen, die unterdurchschnittlich an Zukunftsängsten leiden. Einsamkeit, Langeweile und Freiheitseinschränkungen sind die Begriffe, die nach Ansicht der Befragten das Leben in der Pandemie am besten beschreiben. Nach Geschlechtern betrachtet zeigt sich, dass vor allen Dingen Mädchen und junge Frauen von unterschiedlichen Ängsten betroffen sind; sowohl die Angst vor Einsamkeit, vor Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung als auch vor einer insgesamt negativen Zukunft belastet Mädchen stärker. Sie berichten auch öfter von schlechtem Schlaf. Das Computerspiel als sozialer Anker Das soziale Umfeld hilft bei der Bewältigung der Corona-Folgen, professionelle Unterstützung spielt fast keine Rolle. Gleichzeitig zeigt sich aber, dass ein Drittel der jungen Menschen die eigene Familie nicht als Unterstützungsfaktor in der Pandemie benennt. Bei Jugendlichen mit einem niedrigen formalen Bildungsstand spielt die Unterstützung durch den Freundeskreis oder Mitschüler*innen eine deutlich unterdurchschnittliche Rolle, dafür erwähnen sie signifikant häufiger die Unterstützungskraft von Computerspielen.2 Es zeigt sich auch bei Unterstützung durch das familiäre und persönliche Umfeld eine deutliche Schieflage, die jungen Menschen mit einem Dr. Manuela Sauer, Fachberatung Kinder / Jugend / Familie, Paritätischer Wohlfahrtsverband Herausforderungen und Belastungen in der Pandemie Benachteiligungen im Kontext von Corona 4

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