K3 No. 7 - November 2018
Dachzeile 26 das kommt | 07 | 2018 Orienti rung Schwerpunk Leider oft Realität. Viele junge Menschen aus Südosteuropa betteln lieber um ihren Lebensunterhalt, statt eigene Fähigkeiten zu ent wickeln. Kinder und Jugendliche aus südosteuropäischen Staaten Am Rande der Stadtgesellschaft Die Zahl der Migrantinnen und Migranten aus Südosteuropa ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. In der Hoffnung auf ein besseres Leben kommen verarmte Menschen vor allem aus Rumänien und Bulgarien nach München. Einige versuchen, auf dem grauen Arbeitsmarkt im südlichen Bahn- hofsviertel einen Job zu finden. Andere verdienen sich mit Betteln ein paar Euro, um zu überleben. Viele leben in prekärsten Situationen und wohnen in völlig überbelegten, teilweise menschenunwürdigen Unterkünften mit all den negativen Folgen – insbesondere für Kinder und Jugendliche. Welche Art und Form von Orientierung bzw. Unterstützung brauchen also junge EU-Bürgerinnen und -Bürger aus südosteuropäischen Staa- ten? Für die Kinder- und Jugendhilfe bedeutet diese neue Herausfor- derung grundsätzlich, dass sie neben den allgemeinen Anforderungen der Gewährung von Unterstützungsleistungen und der Wahrnehmung des Schutzauftrags zu folgenden spezifischen Problemen konkrete Lösungen anbieten soll. Schule und Ausbildung Die institutionelle Bildung ist für die Betroffenen leider oft von geringer Bedeutung. Die Schulbildung in dieser Gruppe wird in den Heimatländern häufig nach der 9. oder gar schon nach der 7. Klasse abgebrochen. Sich an das Bildungssystem in Deutschland anzupassen, kann diesen Jugendlichen erheblich schwerfallen. Viele von ihnen heiraten zudem sehr früh, bekommen Kinder und müssen sich um eine große Familie kümmern und diese finanziell versorgen. Die Situation ist nicht nur aktuell schwierig, sondern bietet auch schlechte Perspek- tiven für den weiteren Bildungsweg. Darüber hinaus ist die berufliche Bildungsstruktur in Deutschland – das duale Ausbildungssystem – den Betroffenen nicht bekannt, fremd und unverständlich. Die ethnische Minderheit der Roma und die türkischsprachige Minderheit sehen sich zudem häufig mit Vorurteilen belegt. Daher schotten sie sich oft ab. Die Jugendlichen bevorzugen es, in ihrer Familienstruktur innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft zu leben. Der Zugang zu diesen engen Gemeinschaften ist schwer. Die Jugendlichen nehmen nur Kontakt auf, wenn sie Probleme haben und sich dafür an die Beratungsstellen wenden. Wohnen Gegenüber vielen Migrantinnen und Migranten aus Bulgarien und Rumänien herrscht insbesondere auf dem angespannten Münchner Wohnungsmarkt eine ablehnende Haltung, welche sich bei Angehörigen ethnischer Minderheiten nochmals verschärft. Die Folge ist häufig eine prekäre Wohnsituation für die Betroffenen, die sich zu einer existen- tiellen Notsituation ausweiten kann. Eine spezielle Gruppe sind auch Obdachlose. Es gibt ca. 100 Jugendliche aus der Roma-Gemeinschaft, die obdachlos sind und auf der Straße leben. Viele von ihnen sind Sai- sonarbeiterinnen und -arbeiter. Sie sind im Vergleich zu anderen noch weniger motiviert und haben kaum Interesse, die deutsche Sprache zu erlernen bzw. sich beruflich zu qualifizieren. Der tägliche Verdienst ist für sie am wichtigsten. Gesundheit Wegen prekärer Beschäftigungsverhältnisse verfügen diese Kinder und Jugendlichen häufig weder über eine Notfallkrankenversicherung aus dem Heimatland noch über eine Krankenversicherung in Deutsch- Wer oder was gibt dir Orientierung in deinem Leben? » Der Sport. Besonders der Fußball gibt mir Orientierung, ich finde Cristiano Ronaldo klasse, weil er so hart für seinen Erfolg gearbeitet hat. « Junge, 14 (Laimer) spräche findet ein Austausch statt, bei dem sich alle auf den gleichen Wissensstand bringen. Auch für die Zukunft schaffen wir so im Treff einen Rahmen, in dem es normal ist, nach Bedarf über unterschiedliche Liebesbeziehungen zu sprechen. Unterschiedlichste Familienformen thematisiert Eine weitere Methode, um beispielsweise mit den Kindern über unterschiedliche Familienformen zu sprechen, bietet sich mit einem Kreativangebot „Male deine Familie“. Das Buch „Alles Familie!“ von Alexandra Maxeiner und Anke Kuhl beinhaltet eine Malvorlage in Steckbriefform, die kopiert werden kann, sowie zahlreiche schöne Illustrationen, die das Thema altersgerecht darstellen, und kann ein Angebot zum Thema gut begleiten. Marlene Pruss, Kunstpädagogin, Mobile Arbeit im Arnulfpark, Spielhaus Sophienstraße, KJR Quellen n „König und König“ von Linda de Haan & Stern Nijland, Gerstenberg Verlag, Juni 2014, Altersempfehlung: ab 4 Jahren. n „Alles Familie!“ von Alexandra Maxeiner & Anke Kuhl, Klett Kinder- buch Verlag, März 2013, Altersempfehlung: ab 5 Jahren. n Fortbildung: www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Direktori- um/Koordinierungsstelle-fuer-gleichgeschlechtliche-Lebensweisen/ Fortbildungen/Fortbildung_Fachwissen.html Foto: Jörg N., pixelio.de
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