10 Jahre Junge Kultur

31 Was konnten Sie den Teilnehmer*innen mit auf den Weg geben? Wir haben beispielsweise über Instrumentenkunde geredet, über das Stimmen des Schlagzeugs, über die Funktionen und Einstellungen der Schrauben et cetera. Manche waren dabei unsicherer als andere, haben aber dann schnell gemerkt, dass wir alle nur mit Wasser kochen. Es hat die Jugendlichen vielleicht auch überrascht, dass selbst ein Profi wie ich sehr viel üben muss. Auch ich habe Lampenfieber, wenn ich ein schweres Konzert vor mir habe. Vorbereitung ist hier alles – wenn man gut vorbereitet ist, kann einem nichts passieren. Ich glaube, diese Botschaft kam bei vielen an. Kann man mit Musik generell gut Brücken bauen? Selbstverständlich, denn schon die Notation ist ja eine eigene Sprache. Es ist ganz egal, wo man herkommt: Sobald Menschen aufeinandertreffen, die Noten lesen können, haben sie eine gemeinsame Sprache und auch eine gemeinsame Ordnung. Musik ist ein Universum für sich. Kulturangebote für Jugendliche sind … Ach, wir denken immer, dass wir Jugendlichen Kultur beibringen, und vergessen dabei, dass diese doch bereits mitten in ihrer eigenen Kultur schwimmen und die Kultur der Zukunft erschaffen. Unsere Kultur ist schon passiert, findet gerade statt oder verschwindet langsam. Kultur ist ja nicht nur Beethoven und Bach und da Vinci und van Gogh. Kultur ist eine Sammlung von verschiedenen Dingen, die letztlich den Menschen definieren. Kultur ist auch Geografie oder aber der Einfluss des Wetters, da könnte man stundenlang philosophieren. Jugendliche leben eine andere Form von Kultur, die wir Erwachsene akzeptieren und von der wir lernen sollten. Hatten Sie das Gefühl, dass die Jugendlichen mit Begeisterung bei der Sache waren? In jedem Fall – das sehe ich aber wechselseitig, weil es auch für mich bereichernd war. Es ist immer spannend zu erfahren, wo die Jugendlichen stehen, was ihnen wichtig ist und wie sich alles – auch die Musik – verändert hat. Letztlich ist es ein Rückblick auf einen selbst … mir wurde bewusst, was passiert, wenn ein junger Kerl viel Glück im Leben hat. Und das möchte ich auch noch loswerden: Die Jugendzentren sind wirklich ein großes Geschenk! Diese unglaubliche Ausstattung hätte ich als Kind auch gerne gehabt, und die Betreuer*innen gehen sehr respektvoll mit den Jugendlichen um. Eine tolle Einrichtung! Claudio Estay Nicht nur die Teilnehmer*innen des Schlagzeug-Workshops konnten von Claudio Estay lernen. Auch der erste Schlagzeuger des Bayerischen Staatsorchesters war begeistert von diesem Projekt, wie man in einem Gespräch deutlich spüren konnte. »Wir sollten Jugendlichen zuhören« I N T E R V I E W Erster Schlagzeuger des Bayerischen Staatsorchesters

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